Hintergrund: Heidelberg vs. "Heideldruck"

Die Kommunalpolitik lag öfter im Clinch mit "Heideldruck"

20.09.2015 UPDATE: 20.09.2015 06:00 Uhr 1 Minute, 14 Sekunden

Als der Konzern 1955 den Bau einer fünfgeschossigen, 21 Meter hohen Fabrik direkt am frisch eingeweihten Bahnhof anging, gab es heftige Proteste: Der Blick aufs Schloss werde verdeckt, der Bahnhof wirke wie ein Zwerg gegenüber dem Neubau. Die Gerüste standen schon, der damalige OB Carl Neinhaus hatte die beiden Heidelberger Zeitungen um absolutes Stillschweigen gebeten, doch am Ende stellte sich der Bauausschuss der Stadt quer. Schließlich baute die damalige Schnellpresse ihr Werk in Wiesloch, das in Rekordzeit und ohne Widerstände binnen eines Jahres errichtet und im Juli 1957 eingeweiht wurde.

Damit war der Konzern, der seinen Sitz nominell zwar in Heidelberg behielt, quasi verloren: 5000 Arbeiter waren in Wiesloch, nur noch 1000 in Heidelberg. Auch deswegen setzte Mitte der 80er Jahre OB Reinhold Zundel alles daran, den alten Fehler nicht noch einmal zu machen, als die Stadt ein 10.500-Quadratmeter-Grundstück zwischen der Bergheimer und der Alten Eppelheimer Straße aufkaufte, damit dort die Druckmaschinen ihr Forschungs- und Entwicklungszentrum ansiedeln konnten. Immerhin hatte es Zundel einige Jahre vorher, 1982, als Erfolg verbucht, dass die Verwaltung wieder von Wiesloch in den 80 Millionen Mark teuren Neubau in die Kurfürstenanlage gezogen war – genau der, der nun an Andreas Epple verkauft wurde.

Als zum 150. Firmenjubiläum im Jahr 2000 Bundeskanzler Gerhard Schröder das neue Veranstaltungs- und Bildungszentrum Print Media Academy (PMA) mitsamt Sternerestaurant einweihte – immerhin mit 50 Metern deutlich höher als das Vorhaben 35 Jahre zuvor –, gab es im Vorfeld weniger Kritik an der Architektur als vielmehr am intransparenten Verfahren: Die damalige OB Beate Weber hatte mit dem Druckmaschinen-Chef Hartmut Mehdorn den Neubau quasi im Alleingang ausgehandelt; der Gemeinderat wurde kaum informiert.

Zum Deal gehörte nicht nur ein relativ geringer Kaufpreis von rund drei Millionen Mark, sondern auch die 7,5 Millionen Mark teure Verschwenkung der Kurfürstenanlage samt Straßenbahn, die der Stadt nur zur Hälfte erstattet wurden. Aus Mehdorns hochtrabendem Plan, auf dem PMA-Glasdach die RNZ drucken zu lassen, wurde nichts – und unter seinen Nachfolgern Bernhard Schreier und Gerold Linzbach galt fortan die Devise "Raus aus den Palästen, rein in die Hallen". hö.