Fluch oder Geldsegen?

Bettensteuer: Hoteliers und Freiburger Kämmerer uneins

14.07.2016 UPDATE: 14.07.2016 20:00 Uhr 1 Minute, 15 Sekunden

Bettensteuer: Hoteliers und Freiburger Kämmerer uneins

ani. Bernd Nußbaumer, Leiter der Freiburger Stadtkämmerei, und Caroline von Kretschmann, Geschäftsführerin des "Europäischen Hofs", legten im Haupt- und Finanzausschuss ihre Positionen zur Bettensteuer dar - und die könnten unterschiedlicher nicht sein.

> Caroline von Kretschmann sprach für ihre zig Kollegen, die die Zuschauerränge füllten: vom "Bürokratiemonster", von der Mehrbelastung des Hotelpersonals, das mit dem Unmut der Gäste zu kämpfen hätte - und von Einsparungen, die man im Falle der Einführung vornehmen müsste. "Unsere Sponsoring-Aktivitäten etwa für den Karlstorbahnhof oder den Heidelberger Frühling werden wir dann kürzen", so von Kretschmann. Schließlich entscheide die Bettensteuer am Europäischen Hof über ein Plus oder ein Minus in der Bilanz. Noch schwerer werde das kleinere Hotels treffen. Als "zutiefst unsozial" bezeichnete sie die Abgabe. Zumal die Tagestouristen, die hauptsächlich die Infrastruktur nutzten, nicht zur Kasse gebeten werden. "Es ist frustrierend, dass Argumente nicht mehr zählen. Ich habe noch mit keinem grünen Stadtrat gesprochen, bei dem ich das Gefühl hatte, man könne in den Diskurs eintreten", beklagte von Kretschmann.

> Bernd Nußbaumer machte dagegen Hoffnung auf ein volles Stadtsäckel. Im Jahr 2014 - dem ersten Jahr der Einführung - habe die Stadt dank der Steuer 2,1 Millionen Euro eingenommen, 2015 waren es 2,4 Millionen Euro. Wie viel davon zurück in den Tourismus fließt, muss der Gemeinderat noch entscheiden. Dem gegenüber steht ein Verwaltungsaufwand von 250 000 Euro (2014). Im Jahr 2015 habe man die Kosten dafür auf 170 000 Euro reduzieren können - und Nußbaumer ist zuversichtlich, dass sie weiter sinken. Die Bettenauslastung sei nach wie vor gut. Das belegen auch Zahlen, die der RNZ von der "Freiburg Wirtschaft und Touristik Messe GmbH" vorliegen. Demnach gab es im Jahr 2015 in Freiburg so viele Übernachtungen wie noch nie: rund 1,4 Millionen - eine Steigerung um 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2014 habe es allerdings eine "Delle" gegeben, denn in diesem Jahr wurde die Polizeiakademie geschlossen, die gut 40 000 Übernachtungen ausgemacht habe.