Workshop zu öffentlichem Raum

Was in Heidelberg verändert werden sollte

Mit einem alternativen Konzept der Bürgerbeteiligung sammelt Heidelberger Ideen zur Stadtgestaltung.

24.11.2022 UPDATE: 24.11.2022 06:00 Uhr 2 Minuten, 36 Sekunden
Im „Beschwerdeamt“ diskutieren die Workshopteilnehmer über die Probleme in Heidelberg. Im blauen Overall beklagt sich Initiator Jasper Schmidt bei „Herrn Moser“ von der (fiktiven) Stadtverwaltung. Foto: Philipp Rothe

Von Leon Kaessmann

Heidelberg. "Nummer 2899 bitte", ruft Herr Moser in die Runde. Zwei Dutzend Heidelberger sitzen an zwei langen Tischen im Amtsstübl vom Verein Alt-Heidelberg, vor sich ihre ausgefüllten Beschwerdeformulare. Schauspieler Leon Wieferich spielt den Beamten Moser, Mitarbeiter des fiktiven "Beschwerdeamts" der Stadt. "2899? Das bin ich", antwortet eine Workshopteilnehmerin, erhebt sich und will sich auf direktem Weg zum Schreibtisch begeben. "Den langen Amtsweg bitte", korrigiert Herr Moser und verweist sie auf die Gasse zwischen den Tischen.

Im "Beschwerdeamt" geht es heiß her. Der "Verein gegen Müdigkeit" hatte am Sonntag zu einem Workshop mit dem Titel "1 + 1 = 3" eingeladen, um sich über den öffentlichen Raum in der Stadt auszutauschen und diesen aktiv mitzugestalten. Erst näherte sich die Gruppe der Thematik in einer Gesprächsrunde an und notierte auf Formularen, was in Heidelberg verändert werden sollte – nun geht es um konkrete Probleme.

"Der Marlene-Dietrich-Platz ist eine Betonhölle", beschwert sich die Teilnehmerin mit der Nummer 2899. "Da stehen nur drei Bäume." Lange betrachtet Herr Moser das Formular. "Die Struktur der Beschwerde ist schon einmal falsch", bemängelt er. Außerdem sei er dafür nicht zuständig; die Beschwerdeführerin weist er zurück auf ihren Platz. Dann mimt Moser ein Telefonat mit dem Tiefbauamt: "Am Ende beschweren sich die Leute eh wieder, wenn zu viele Bäume stehen" – dann legt er den Fall zu den Akten.

Auch auf weitere Bürgerbelange reagiert Moser, dem Beamtenklischee entsprechend, ungeschickt. Ein Bürger fordert etwa freie Gehwege und ein Parkverbot: Moser lässt eine ganze Straße für den Verkehr sperren, wodurch sich neue Probleme ergeben. "So ähnlich kann es natürlich laufen", sagt Projektleiter Jasper Schmidt nach Wieferichs Performance schmunzelnd. "Der Weg, um sich bei der Stadt zu beschweren, ist häufig kompliziert."

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Es solle bei dem Workshop jedoch nicht darum gehen, sich über jemanden lustig zu machen, erklärt Schmidt. Man wolle den Dialog zwischen Bürgern und Verwaltung vereinfachen und "Teil der Lösung sein". Zum Workshopprogramm gehören nämlich auch Fragestellungen wie "Wie kann ich der Verwaltung Projekte vortragen?".

Im Zwinger 3 näherten sich die Workshopteilnehmer von „1+1=3“ dem Thema öffentlicher Raum in einer Gesprächsrunde an. Foto: Philipp Rothe

Dem "Verein gegen Müdigkeit" ist es wichtig, dass viele Parteien in Heidelberg Gehör finden. Damit ...

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