Hochwasser

Durchwachsene Geschäfte für Campingplätze

Bei vielen Campingplätzen in Rheinland-Pfalz und im Saarland ist die bisherige Saison wortwörtlich ins Wasser gefallen.

11.06.2024 UPDATE: 10.06.2024 14:06 Uhr 3 Minuten, 3 Sekunden
Rheinland-Pfalz, Trittenheim: Der Campingplatz Trittenheim an der Mosel ist nur schwach belegt. Das Hochwasser hat den Platz dieses Jahr schwer getroffen aber alle Schäden wurden beseitigt. Dennoch sei ihr Platz erst zu einem Fünftel wieder belegt, viele Anfragen seien wegen der Hochwassermeldungen storniert worden. Foto: dpa

Mörschied/Koblenz (dpa) - Ein kühler April, ein nasser Mai und dann noch Hochwasser: Die Campingplätze in Rheinland-Pfalz und im Saarland haben vielerorts bislang eher schlechte Geschäfte gemacht. "Da wir vom Wetter abhängig sind, ist es bisher für alle relativ schwierig gewesen", sagte der Vorsitzende des Verbandes der Campingwirtschaft Rheinland-Pfalz und Saarland, Timo Koch, in Mörschied (Kreis Birkenfeld), der Deutschen Presse-Agentur. Besonders hart getroffen habe es Campingplätze an der Mosel, die bereits zwei Hochwasser 2024 überstehen mussten - sowie Anlagen an der Saar, die beim Pfingsthochwasser geflutet waren.

Viele Betreiber hätten große Hoffnungen in die Pfingstferien gesetzt. Doch statt klingelnder Kassen gab es teils "riesengroße Umsatzeinbußen": Plätze wurden wegen Überflutung zeitweise geschlossen, bei anderen sagten Urlauber wegen schlechten Wetters ab, wie Koch berichtet. Jetzt, wo das Wetter besser werde und die Schäden des Hochwassers beseitigt seien, kämen auch wieder mehr Buchungen rein. Aber: "Viele Leute sind jetzt sehr verunsichert", sagte Koch. 

Camping-Urlauber stornieren bis in den August

Starkregen und Hochwasser trafen auch die Firma Knaus Campingparks dieses Jahr hart. Sie betreibt nach eigenen Angaben sechs Campingparks in Rheinland-Pfalz. Zwei davon - an der Mosel in Bernkastel-Kues und Burgen - seien über Pfingsten komplett überflutet worden und haben erst kürzlich wieder öffnen können, teilte ein Sprecher mit. Ihr Campingplatz in Bad Dürkheim in der Pfalz sei von Starkregen heimgesucht worden. 

Heftig war es auch auf ihrem Campingplatz in Koblenz, wo Mosel und Rhein zusammenfließen. "Hier mussten wir jetzt aufgrund der "Pegellagen" der Flüsse, aber vor allem zum Schutz unserer Gäste in kürzester Zeit zweimal räumen und schließen", schrieb der Sprecher. "Für unser Unternehmen mussten wir aufgrund der oben geschilderten Ereignisse mehrere Tausend Buchungen stornieren, absagen oder auf Wunsch unserer verständnisvollen Gäste auf andere Knaus Campingparks in Deutschland umbuchen." 

Den Campingplatz Trittenheim an der Mosel traf das Hochwasser dieses Jahr ebenfalls schwer. Umsatzeinbußen und Kosten für die Beseitigung von Schäden stehen in der Bilanz. "Im Moment sind wir im Minus", sagte Betreiberin Bärbel Schuck-Donohoe. Alles sei jetzt wieder auf Vordermann gebracht worden. Dennoch sei ihr Platz erst zu einem Fünftel wieder belegt. "Die Urlaubsgäste und überhaupt Anfragen für den Rest der Saison sind dürftig, da die Leute abwarten."

Die Überflutung ziehe auch Stornierungen von Urlaubern bis August, September mit sich, sagte Schuck-Donohoe. Manche Urlauber hätten die falsche Vorstellung, dass alles zerstört sei und überall Unrat liege. Andere sagten, das Wetter sei ihnen zu unbeständig und sie reisten nun lieber nach Frankreich oder in andere südliche Länder.

Campingurlaub weiter im Trend - bei Familien beliebt

Koch ist optimistisch, dass Urlauber bald wieder verstärkt die Campingplätze in Rheinland-Pfalz und im Saarland ansteuern werden. Schon jetzt zeichneten sich mehr Buchungen für die nächsten Wochenenden ab. "Es sind Leute, die vor den Sommerferien noch mal raus wollen und es im Frühjahr nicht gewesen sind", sagte er. Campingurlaub liege weiter stark im Trend. 2023 sei in Rheinland-Pfalz mit 3,2 Millionen Übernachtungen auf Campingplätzen ein bisheriger Höchstwert erreicht worden. "Ich gehe davon aus, dass wir auch dieses Jahr wieder daran kommen werden", sagte er.

Es gebe sehr viele Familien, bei denen Campingurlaub wieder angesagt sei. "Auch, weil Flugreisen teuer geworden sind und Familien sich das nicht mehr leisten können oder möchten", sagte Koch. Vorteile sind: "Man ist naturnah und individuell unterwegs." In Rheinland-Pfalz und im Saarland gebe es insgesamt rund 250 Campingplätze. Rund die Hälfte sei im Verband organisiert. Koch ging davon aus, dass auch Anlagen im Saarland, die über Pfingsten unter Wasser standen, zügig wieder öffneten oder bereits wieder geöffnet seien. 

Hochwasser nicht ungewöhnlich - Stammgäste als wichtige Stütze

Am Campingplatz in Trittenheim ist man Hochwasser erprobt. Dieses Jahr aber sei es extrem gewesen, sagte die Betreiberin. Nach der Überschwemmung im April habe man den Platz begradigt, aufgefüllt und teils neu eingesät. An Pfingsten sei dann die Wiese wieder kaputt und aufgeweicht gewesen, die Wege waren weggespült. "Jetzt ist wieder alles top", sagte  Schuck-Donohoe und erzählte eine rührende Anekdote: Am ersten Juniwochenende seien viele Stammgäste auch aus dem Saarland gekommen und trotz Regens geblieben, "damit wir ein paar Einnahmen haben. Da kriege ich jetzt noch Gänsehaut. Sonst wären wir leer gewesen."

Mit Solidarität kennen sie sich auch im Ahrtal aus. Bei der tödlichen Flutkatastrophe im Juli 2021 wurden auch viele Campingplätze an der Ahr zerstört. Der Campingplatz zur Burgwiese in Mayschoss war auch betroffen, wenn auch nicht ganz so stark wie andere, wie Guido Kurzbach erzählte. "Wir konnten relativ schnell unsere Arbeitsbereiche wieder herstellen." Rund ein Jahr nach der Flut habe man wieder geöffnet. Und diese Saison kann er nicht klagen: "Momentan haben wir sehr, sehr gut zu tun", sage er. "Weil wir sind der einzige Campingplatz an der Ahr, der geöffnet hat. Dementsprechend haben wir auch schon sehr hohe Nachfragen."