45 Minuten Gala reichen "Hoffe" zum 3:0
Beim nie gefährdeten Erfolg gegen die Fuggerstädter macht die TSG schon vor der Pause alles klar und springt durch den dritten Heimsieg hintereinander zumindest temporär auf Rang vier.

Von Nikolas Beck
Sinsheim. Seinen Geburtstag hatte sich Sandro Wagner sicher ganz anders vorgestellt. Glückwünsche ereilten den seit Samstag 38 Jahre jungen Trainer des FC Augsburg bei seiner Rückkehr in jenes Stadion, in dem er einst als Aktiver seine erfolgreichste Phase erleben durfte, auf die Zeit vor dem Anpfiff. Hinterher sahnten sein Gegenüber Christian Ilzer und die TSG Hoffenheim die Gratulationen ab. Für eine bärenstarke erste Hälfte, die schon zum 3:0-Erfolg ausreichte, für den dritten Heimsieg hintereinander und den zumindest temporären Sprung auf Champions -League-Platz vier.
"Die erste Halbzeit hat unheimlich viel Spaß gemacht, da hat fast alles so geklappt, wie wir uns das vorgestellt haben", sagte Mittelfeldmotor Grischa Prömel im Anschluss an die Partie und musste grinsen: "Die hätte gerne etwas länger dauern können."
Doch der Reihe nach: Für ein Fußballstadion unangenehm ruhig war es nach dem Anpfiff mal wieder. Nicht etwa, wegen der offiziell nur 20.218 Zuschauer in Sinsheim. Sondern weil sich die Fangruppierungen hüben wie drüben während der ersten zwölf Minuten erneut in stillem Protest übten. "Innenminister Herrmann, Finger weg von unserer Fankultur!", forderten die mitgereisten Augsburger per Spruchband. Und in der Südkurve rollte man sogar das Anti-Wittmann-Transparent erst mal wieder ein.
Stillstand auf den Rängen, Spektakel auf dem Rasen? Na ja. Zumindest ein Raunen war zu hören, als Fisnik Asllani zunächst an der Strafraumkante umgerissen wurde und die Heim-Fans nicht zu Unrecht gerne einen Freistoßpfiff gehört hätten (10. Minute), und kurz danach sein Abschluss knapp am Kasten vorbeigelenkt wurde.
Pünktlich nach zwölf gespielten Minuten machten dann auch die Fanlager mit – und, um es ganz deutlich zu sagen: Die Augsburger wären besser still geblieben. Vielleicht war der unmittelbar folgende Spielverlauf ja auch die Quittung für die Schmähungen aus dem Gästeblock gegen Klubpatron Dietmar Hopp, die inzwischen so kreativ sind wie ein Fax im Jahr 2025. Denn nach einer Flanke des mal wieder überaus engagierten Vladimir Coufal, der bis zur rechten Grundlinie durchgelaufen war, hatte Grischa Prömel mit seinem Kopfball die Führung noch knapp verpasst (15.). Doch eine Minute später durfte Hoffenheim dann jubeln. Nach einem weiten Ball tief aus der eigenen Hälfte von Wouter Burger beharkten sich im Laufduell Tim Lemperle (für Andrej Kramaric einziger neuer in "Hoffes"-Startelf im Vergleich zum 1:1 am vergangenen Freitag in Mainz) und Chrislain Matsima. Bazoumana Touré war der lachende Dritte, übernahm die Kugel und schob sie mit ein bisschen Glück gegen FCA-Keeper Finn Dahmen ins Tor rein (16.).
Zwar durfte Nationaltorwart Oliver Baumann, vor seinem 501. Bundesligaspiel noch einmal für die 500 geehrt, sich gegen Dimitrios Giannoulis Dropkick auch mal auszeichnen (19.). Doch klar spielbestimmend blieb der Dorfklub. Lemperle scheiterte noch an Dahmen (21.). Fünf Minuten später kombinierte sich die TSG aber beinahe widerstandslos übers Feld. Prömel im Strafraum schloss ab, Dahmen konnte nur nach vorne parieren – aber der mitgelaufene Burger war zur Stelle (26.). 2:0 für 1899 – und Augsburgs Coach Sandro Wagner pfefferte vor Frust an alter Wirkungsstätte die Wollmütze auf die Bank.
Besser wurde es für den vermeintlichen Trainer-Überflieger Wagner, der mit seiner Mannschaft allerdings alles andere als Höhenluft schnuppern darf, auch mit entblößter Haarpracht nicht. Im Gegenteil. In Hälfte eins war‘s eine Zwei-Klassengesellschaft, die mit dem dritten Hoffenheimer Treffer endete: Noahkai Banks kam im eigenen Strafraum im Kopfballduell mit Prömel als Erster an den Ball, der an den Fuß von Cedric Zesiger und von dort ins eigene Tor prallte (45.+3). "Wenn Vladi draußen den Ball hat, dann heißt es nur noch, im Strafraum eine gute Position zu finden, dann wird er dich schon finden", betonte Prömel auch den Anteil des Flankengebers.
Fast 70 Prozent Ballbesitz, 14:6 Torschüsse und 5:0 Ecken standen im Zwischenzeugnis. "Da hat jeder im Stadion gemerkt, dass die TSG ein neues Gesicht hat, für Intensität und darüber hinaus auch noch für schönen Fußball steht", so Prömel.
Entscheidend an den Kräfteverhältnissen ändern sollte sich auch nach dem Seitenwechsel nichts. Die Hausherren wollten nicht mehr recht – und die Gäste konnten nicht. Jetzt mit mehr Spielanteilen, blieben die Offensivbemühungen der "Puppenspieler" überschaubar. Und zu allem Überfluss taugte auch der sehenswerte Treffer aus über 20 Metern Entfernung von Samuel Essende nicht als kleines Geburtstagspräsent für den unglücklichen Jubilar Wagner. Weil Vorlagengeber Tietz zuvor im Abseits gestanden hatte, griff der VAR ein. Schöne Bescherung!
Hoffenheim: Baumann – Coufal, Hranac, Hajdari, Bernardo (72. Kabak) – Avdullahu, Prömel (72. Prass), Burger, Touré (59. Moerstedt) – Lemperle (85. Damar), Asllani (59. Kramaric).
Augsburg: Dahmen – Kade (82. Claude-Maurice), Banks, Matsima, Zesiger (71. Wolf), Giannoulis (71. Tietz) – Massengo (46. Rexhbecaj), Fellhauer, Rieder, Kömür (46. Jakic) – Essende.
Zuschauer: 20.218; Schiedsrichter: Christian Dingert (Lebecksmühle); Tore: 1:0 Touré (16.), 2:0 Burger (26.), 3:0 Zesiger (45.+3/Eigentor).




