Burg Hornberg

Museum gibt digitale Einblicke in 400-jährige Bücherkunst

Kostbare Schätze über Jahrhunderte gerettet: Viele Wunder und zwei Druckfehler.

27.07.2022 UPDATE: 26.07.2022 05:00 Uhr 2 Minuten, 10 Sekunden
Foto: Burg Hornberg

Neckarzimmern. (zg) "Wir bewahren Schätze auf, die es an anderen Orten der Welt in dieser Erhaltung nicht gibt", stellt Dajo von Gemmingen-Hornberg, der Burgherr der Burg Hornberg in Neckarzimmern, fest. Es geht um zwei kostbare bibliophile Prachtbände, die sich seit Generationen im Besitz der Adelsfamilie befinden: Die besonders kostbare und farbenprächtige Bilder-Handschrift, das "Turnierbuch der Kraichgauer Ritter" von 1616 und das noch ältere, im Original 14 Kilogramm schwere Kupferstichwerk "Hortus Eystettensis" von 1613. Ab sofort und zum ersten Mal können die mehr als 400 Jahre alten Bücher im Museum der Burg Hornberg in digitaler Form Seite für Seite bestaunt werden. Denn die Bücher haben die Zeit – und insbesondere die Wirren vieler Kriege – schadlos überstanden.

Die Schätze des Barons sind für die Wissenschaft besonders interessant. Das "Turnierbuch der Kraichgauer Ritter", das Szenen aller 36 mittelalterlichen Reichsturniere darstellt, gibt es im Original nur noch etwa fünfmal, unter anderem im Archiv des Vatikans – aber in abgespeckter Form und nicht so gut erhalten. Das in Leder gebundene Hornberger Exemplar ließ Wolf Conrad Greck von Kochendorf um 1615 für seine Gemahlin, Sybille von Gemmingen-Hornberg, bei einem unbekannten Illustrator anfertigen. Mit diesem Buch wollten sich die Kraichgauer Ritter vor den Begehrlichkeiten des Pfalzgrafen in Heidelberg wappnen, indem sie sich vom niederen Adel absetzten und ihre Reichsunmittelbarkeit dokumentierten. Denn an den Turnieren durfte nur teilnehmen, wer mindestens in dritter Generation rein adliger Herkunft war. Der Illustrator machte aus spröden Namenslisten und Turnierberichten ein farbenprächtiges heraldisches, bildgewaltiges Kunstwerk mit einer neuen Gesamtkonzeption.

Noch heute strahlen die kolorierten Illustrationen in leuchtenden Farben. Dass es damals schon Druckfehler gab, stellte Dajo von Gemmingen-Hornberg bei genauen Forschungen fest. In einer Szene zeigt das Werk den Sieg von Hans dem Kecken über Graf Ulrich von Württemberg. Diese Szene ist jedoch mit einem falschen Datum und einem falschen württembergischen Wappen versehen. Auf einem 65-Zoll-Touchscreen bekommen die Besucherinnen und Besucher im Burgmuseum Einblicke in die Buchseiten und die Szenen der damaligen Turnier- und Ritterzeit.

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