Heidelberg

Warnung vor verstecktem Antisemitismus

Bei der Eröffnung der Jüdisch-Muslimischen Kulturtage kam die Festrednerin extra aus Berlin.

28.06.2022 UPDATE: 29.06.2022 06:00 Uhr 2 Minuten, 19 Sekunden
Emilia Roig kam aus Berlin angereist und hielt einen Vortrag über Unterdrückung und Antisemitismus. Foto: Philipp Rothe

Von Marion Gottlob

Heidelberg. Rockige Sounds entlockte der Musiker Ozan Ata Canani seiner Saz-Langhalslaute vor rund 80 Zuhörern, die zur Eröffnung der Jüdisch-Muslimischen Kulturtage zur Sommerbühne des Karlstorbahnhofs gekommen waren. Der Sohn eines türkischen Gastarbeiters sang: "Wir sind ein Teil von Deutschland." Cora Malik, Geschäftsführerin des Karlstorbahnhofs, begrüßte die Gäste: "Wir wollen Austausch fördern." Yasemin Soylu vom Verein Teilseiend betonte: "Wir wollen fragen: Was heißt es, jüdisch zu sein? Was heißt es, muslimisch zu sein? Wie können wir unser Zusammenleben gestalten?"

Die Kulturtage wurden 2017 von der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, dem Verein Teilseiend – Muslimische Akademie Heidelberg, dem Kulturhaus Karlstorbahnhof und dem Amt für Chancengleichheit der Stadt Heidelberg gegründet. Sozialbürgermeisterin Stefanie Jansen sagte in ihrer Begrüßung: "Es ist vielleicht typisch für Heidelberg, dass gerade hier die Idee entwickelt wurde, den Blick auf das Verbindende zu lenken." Sie nahm Stellung zu aktuellen Ereignissen wie dem antisemitischen Bild "People’s Justice", das von der "Documenta" in Kassel entfernt wurde: "Der Schock über die Abbildung jüdischer Menschen, die an nationalsozialistische Pamphlete erinnert, ist immens." Und weiter: "Wir können Hass nur begegnen, indem wir uns nicht einschüchtern und spalten lassen."

Ozan Ata Canani erzählte, wie sein Vater damals nach Deutschland ging und ihm sein Instrument schenkte – und gab ein Konzert. Foto: Philipp Rothe

Festrednerin Emilia Roig war extra aus Berlin gekommen. Die Politologin ist als Tochter eines jüdisch-algerischen Vaters und einer aus Martinique stammenden Mutter in einem Vorort von Paris aufgewachsen. Der Vater ist Arzt, die Mutter Krankenschwester. Roig studierte in Berlin und Lyon. In Berlin gründete sie die Non-Profit-Organisation "Center for Intersectional Justice", um die Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsarbeit zu fördern. Vor kurzem wurde sie von der Plattform "Impact of Diversity" zur einflussreichsten Frau des Jahres gewählt.

Roig sprach über Algerien, wo jüdische und muslimische Menschen in Frieden lebten. Es gab Treffs und Eheschließungen unter den Gruppen. "Die unterschiedlichen Religionen standen nicht im Mittelpunkt." Jedoch mit der französischen Kolonialisierung wurde gemäß dem Prinzip "Herrsche und teile!" bewusst Zwiespalt gesät, zum Beispiel mit der Vorschrift, dass Muslime nicht die französische Staatsbürgerschaft erhalten konnten.

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