Der Junge kam sofort in ein Mannheimer Krankenhaus, konnte aber nicht mehr gerettet werden. Die Verwahrlosung hatte sein Immunsystem zu stark geschwächt. Die Monate ohne Nahrung hatten seinen Magen stark verkleinert. Die Wiederaufnahme der Ernährung im Krankenhaus war dadurch sehr schwer. Ende Mai 2010 starb Marcel.

Laut der Anklage hatte die Mutter den Mitarbeitern des Jugendamtes den Zugang zu ihrem Sohn verwehrt. Während der Verhandlung gestand die Frau ein, dass sie mit der Pflege überfordert war. «Ich wollte vermeiden, dass sie sehen, dass ich Schwierigkeiten habe.»

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von neuneinhalb Jahren für die Frau gefordert. Sie habe den Tod ihres Kindes bewusst in Kauf genommen, sagte Oberstaatsanwalt Reinhard Hofmann.

Dagegen plädierte Verteidiger Steffen Lindberg auf eine Strafe von nicht mehr als sechs Jahren. Bei der Betreuung der Frau und ihres Sohnes seien den Ärzten und Jugendbehörden Fehler unterlaufen, sagte er. Das Gericht führte in der Urteilsbegründung jedoch aus, dass es keine Anhaltspunkte für das Jugendamt gegeben habe, die auf eine Vernachlässigung von Marcel hingedeutet hätten. Daher sei ein Vorwurf an das Jugendamt absurd, so der Richter. Der Verteidiger sagte nach dem Urteil, dass er eine Revision prüfen werde.

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