Eines der künftigen Szenarien am Reihener Ortsrand sieht daher folgendermaßen aus: Stadt kauft Grundstück und den darauf inzwischen errichteten Rohbau wieder zurück, beschließt dessen Abriss oder eine neue Nutzungsart - und der seit Frühjahr 2009 währende, heftige Zwist, der Dorf, Behörden und Gerichte beschäftigte, wäre beigelegt. Ganz günstig käme der Dorffriede - viele Reihener Bürger sehen beim Thema Krematorium inzwischen rot - die Stadt allerdings nicht. Auszugehen ist von einem Verhandlungsrahmen zwischen 250.000 und 500.000 Euro für Grundstück, bisherigen Baukörper und sonstige Leistungen. Für das Grundstück hatte Investor Wiesenauer einst knapp 106.000 Euro bezahlt, inklusive Anlieger- und äußerer Erschließungskosten. Ob er Schadenersatzansprüche darüber hinaus geltend macht, ist nicht bekannt. "Bis Ende Juni" rechnen Wiesenauers Anwälte mit Klarheit, ob man das Bauvorhaben weiterverfolgt oder nicht, und ob die Beschwerde gegen den nunmehr zweiten Baustopp aufrechterhalten werden soll.

Anlagengegner werten die Zugeständnisse als Erfolg: "Die Show ist vorbei", glaubt Hubert Kerber, der erbittertste der gut 500 organisierten Reihener Krematoriumsgegner. Der Anlagensachverständige von Beruf sieht sich auch in anderer Hinsicht rehabilitiert: Er und zwei Mitstreiter hatten im OB-Wahlkampf Flugblätter verteilt, die OB-Bewerber Achim Keßler als "erfahren im Rechtsbruch" titulierten, während Amtsinhaber Rolf Geinert als künftiger Berater der Stadt dieselbe "in den Ruin" treiben würde.

Nun hieß es Freispruch. Das Verfahren wurde eingestellt, da sich die Äußerungen im Rahmen der Meinungsfreiheit bewegten, so die Richter. "Polemische und einseitige Äußerungen" müssten im politischen Meinungskampf hingenommen werden, wenn sie "einen sachlichen Bezug zur politischen Realität" erkennen ließen.

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