Baudezernent Tobias Schutz (im Bild mit seiner Tochter Hannah) zeigt die zahlreichen Brandschutzmaßnahmen in den alten Klassenzimmern. Foto: Tim Kegel
Von Tim Kegel
Sinsheim. Die Sanierung der Theodor-Heuss-Schule ist ein Projekt, das eigentlich nie fertig wird, eine Sisyphos-Arbeit: Im Jahr 2010 ging es los. Nachdem der "A-Bau" abgeschlossen wurde und eine Mensa erhielt, ist zur Zeit der "B-Bau" an die Reihe. Und schon jetzt, sagt Baudezernent Tobias Schutz, zeichne "sich Sanierungsbedarf ab" an den beiden Hallen der Gemeinschaftsschule, an Vor- und Zwischen-Dächern sowie speziell auf dem Schulhof. Der sei "nackt, ohne Schatten und unwirtlich".
Die Unwirtlichkeit zieht Vandalen an. Im Untergeschoss des B-Baus würden immer wieder Fenster eingeschlagen. Doch bis die Stadtverwaltung dem Gemeinderat die Schulhof-Sanierung vorschlagen wird, vergeht noch ein knappes Jahr. So lange wird die laufende Maßnahme noch dauern, "zumindest bis Ende der Osterferien", sagt Schutz. In den Hallen trainierten viele Vereine der Kernstadt. Auch ihre Substanz stammt aus den 1960er-Jahren. Die Sanierung sei "eine Geldfrage", rund 1,5 Millionen würde Schutz pro Halle ansetzen. Rund 4,2 Millionen Euro verschlingt die jetzige Maßnahme. 29 Firmen aus 22 Sparten und Disziplinen sind am Projekt beteiligt, das neben einer energetischen Außen- und einer Innensanierung auch den Anschluss ans Nahwärmenetz der AVR vorsieht, welches unterhalb der nahen Werderstraße verläuft.
Nach der Sanierung des "B-Baus" wird optisch ans Licht- und Farbkonzept des "A-Baus" angeknüpft. Foto: Tim Kegel
Das Projekt sei beispielhaft für die aktuellen Anforderungen am Bau, speziell bei öffentlichen Einrichtungen. "Das große Thema" heiße Brand- und Gesundheitsschutz. Dies zeige sich an zahlreichen Rippendecken. Deren ursprünglicher Beton sei "schlicht zu dünn gewesen", um einem starken Feuer standzuhalten, zusätzliches Material wurde aufgespritzt.
Außerdem wurden Geländer aus Gründen der Absturzsicherung verbreitert, Fugen zur Vermeidung von Verletzungen geschlossen. Über die Jahre entstandene Provisorien, etwa "Abstellräume unter den Treppen", sind künftig nicht mehr mit Pressspanplatten beplankt, sondern mit Mauerwerk versehen. Brandschutz spiele beim Schutz der Korridore mittels eines speziellen Türkonzepts eine Rolle; bei der Verlegung der Elektrik in leicht zugänglichen, zentralen Rohrschächten. Und: beim Mobiliar für die Stillarbeit auf den Schulfluren. Dieses ist an Wänden und Böden fest verschraubt - damit bei einer schnellen Evakuierung "keine Stolperfallen entstehen", sagt Schutz.
Gesundheitsschutz spielte beim Rückbau der Dusch- und Sanitärräume rund ums alte Schulschwimmbad eine Rolle. Die Klassenzimmer - sechs Stück entstehen neu sowie ein Werkraum und eine Schulküche - haben künftig keine Warmwasserleitungen mehr, "zum Schutz vor Legionellen", sagt der Dezernent. Wo nötig, kämen Erhitzer fürs Wasser zum Einsatz, die nur bei Bedarf genutzt werden.
Wasser ist auch in anderer Hinsicht ein großes Thema. Den Schulstandort nennt Schutz "den miesesten der sowieso schon schlechten innerstädtischen Böden". Es ist feucht. Weil das Kellerniveau der Schule, wo auch ein neuer Anbau entsteht, tiefer als das Kanalniveau der angrenzenden Werderstraße liegt, musste eine Hebeanlage mit Pumpen installiert werden. Die Zimmer liegen wannenartig "im Wasser" - andere Erweiterungsmöglichkeiten sah man nicht.
Das Projekt hat Kritiker. Schutz weiß das. Einige Kinder sind seit langer Zeit in die Siedlerschule ausquartiert, müssten ihre Grundschulzeit in einem Provisorium verbringen. Um die Beeinträchtigung so gering wie möglich zu halten, saniere man im Bestand, das heißt auch: "weitestgehend bei laufendem Schulbetrieb". Rund 800 Schüler besuchen zur Zeit die Theodor-Heuss-Schule.