St. Leon-Rot. (tore) Der Fachkräftemangel im naturwissenschaftlich-technischen Bereich inklusive Mathematik und Informatik nimmt immer mehr zu, und zwar nicht nur bei den Ingenieursberufen, die ein Studium voraussetzen, sondern auch bei den Ausbildungsberufen. Händeringend wird nach Personal gesucht. Die "Baden-Württemberg-Stiftung", eine Stiftung in Trägerschaft des Landes, hat nun ein neues Programm aufgelegt, das diesem Trend entgegenwirken soll, um so diesen starken Wirtschaftszweig in Baden-Württemberg dauerhaft konkurrenzfähig zu halten: "Coaching4future" setzt direkt bei den Schülern an und soll ihnen dieses Berufsfeld schmackhaft machen. Zum einen wird ein umfangreiches Internetportal angeboten, das den Kontakt zwischen Schülern, Lehrern, Universitäten und Unternehmen herstellen soll und das mit zahlreichen Informationen über die vielen Ausbildungsberufe und Studiengänge aufwartet. Zum anderen besuchen zwei Teams mit je zwei "Coaches" - bestehend aus Ingenieuren und Naturwissenschaftlern - im Auftrag der Stiftung die Schulen im Rahmen der Berufsvorbereitung. Der Tross machte auch an Privatgymnasium und Parkringschule in St. Leon-Rot Halt, um für ein Berufsleben speziell im naturwissenschaftlich-technischen Bereich zu werben und auch Berufsfindungstipps zu geben. Ein besonderes Augenmerk legt das Programm dabei darauf, die Berufe nicht abstrakt zu erklären, sondern mit konkretem Bezug zur Lebenswelt der Jugendlichen: "Wir schmuggeln den Schülern diese Berufe durch die Hintertür wieder unter", so Henriette Gruber, eine der Referentinnen. Dabei gelte es, bestehende Vorurteile abzubauen und so ungeahnte Perspektiven zu öffnen. "Oft schwebt den Schülern gerade bei naturwissenschaftlichen Studiengängen das Bild eines alten, zerstreuten Professors vor Augen - da wollen wir gegensteuern." Den Jungakademikern gelingt das wohl auch deshalb so gut, weil der Altersunterschied zu den Schülern nicht allzu groß ist und sie so einen besseren "Draht" zu den Schülern bekommen, die ihrem Vortrag dann bereitwillig lauschen. Zwar überwiegt bei der Präsentation der Vortragscharakter, aber durch die Einspielung von kleinen Filmclips gelingt es den Referenten, die Aufmerksamkeit der Schüler zu fesseln. Faszinierende technische Neuheiten werden in den Filmen präsentiert, beispielsweise "3-D-Drucker", die inzwischen sogar in der Lage sind, Schuhe mittels eines Schichtverfahrens herzustellen. Unter sechs Themen, zum Beispiel "Umwelt" oder "Leben retten", können die Schüler wählen und erfahren anschließend mehr über die technische Entwicklung in diesem Bereich. Die Fragestellungen sind dabei so gut es geht auf die Jugendlichen zugeschnitten: Wie schaffen wir es, dass der Bildschirm des Handys auch mit Handschuhen bedient werden kann? "Wir schaffen es so, den Schülern ein Stück weit die Augen für ein Problem zu öffnen, sodass sie anschließend ihre Umwelt ganz anders wahrnehmen," so Gruber. Im Anschluss an den Vortrag können die Schüler eine Vielfalt an Anschauungsobjekten selbst unter die Lupe nehmen. "Hautnah" kann so die Funktionsweise von "Superabsorbern", wie sie in Windeln zum Einsatz kommen, "nachgefühlt" werden: Die Kunststoffe binden Flüssigkeiten und bleiben dabei trocken. Viele der Anschauungsobjekte waren dabei Originalexponate der unterstützenden Firmen. In der Parkringschule lag der Fokus auf den Ausbildungsberufen im naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Vermittelt werden sollte ganz besonders, dass bei vielen High-Tech-Produkten eine lange Kette von Arbeitsabläufen notwendig ist, die oft durch mehrere Firmen und eine Vielzahl von Berufsbildern abgedeckt wird. Dabei spielen die Ausbildungsberufe eine maßgebliche Rolle in der Produktion. Ein fast künstlerisch anmutendes Objekt wird oft in erster Linie von Technikern und nicht von studierten Designern gestaltet. Die zwei "Coaches" gaben den Schülern der neunten Klassen wichtige Tipps für die Berufswahl. Sie rieten, sich nicht unterkriegen zu lassen und sich erst einmal über die eigenen Stärken und Fähigkeiten bewusst zu werden. Wichtige Erklärungen zur Informationsplattform im Internet, die auch eine Stellenbörse oder einen Interessentest enthält, rundeten den interessanten Vortrag ab. Info: www.coaching4future.de
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