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Rückkehr der Kellenschwinger: In New York boomt das Tischtennis

Der «Spin-Club» in New York. Foto: dpa
Der «Spin-Club» in New York. Foto: dpa

Von Laura Gitschier

New York. (dpa) Bunte Lichter flackern über die Wände, aus den Boxen wummern Bässe. Schöne Frauen drehen in engen Kleidern ihre Runden. Auf den ersten Blick sieht die Spin-Bar in New York aus wie ein normaler Nachtclub. Aber eines ist anders: Denn unter das normale Partygewusel mischt sich regelmäßig das Klackern von Bällen. Ab und an quietschen Schuhe auf dem Boden. Der Spin-Club in New York ist einer der angesagtesten Tischtennis-Bars der Stadt.

Das in Deutschland seit längerem bekannte Ping-Pong-Fieber hat seit einiger Zeit New York erfasst - ein Ende ist nicht in Sicht. Mittlerweile gibt es in der Stadt etliche solcher Nachtclubs mit Sportanschluss. Sie heißen «Fat Cat», «Slate» oder «Iona» und haben eins gemeinsam: Sie profitieren davon, dass das umtriebige New Yorker Volk seit einiger Zeit die Kombination von Musik, Bar und ein bisschen Bewegung nebenbei schätzt.

Im Spin werden Abend für Abend Bälle über die Netze gedroschen. Jonathan Bricklin, Besitzer des Clubs, sagt: «Wir sind kein typischer New Yorker Nachtclub, wir sind nicht besonders exklusiv. Jeder kann einfach zu uns kommen und Spaß haben.»

Tischtennis - das war einmal dieser ein bisschen stiefmütterlich behandelte Sport, der an Schulzeiten und muffige Keller erinnerte. Mit klapprigen Platten und abgegriffenen Schlägern hat das New Yorker Ping-Pong-Nachtleben wenig zu tun. Vielmehr schwingt man heute am Freitagabend mit dem Martini in der Hand ganz gepflegt den Schläger.

Auch Hollywood liebt den neuen Lifestyle-Sport: Mit Glück steht man in einem der Clubs neben Kim Kardashian, Jamie Foxx oder Amanda Seyfried an der Platte. Sie alle haben sich bereits als Fans des Sports bekannt. Und der Spin-Club hat den Vorteil eines weiteren Promi-Bonus: Mitinhaberin ist Oscar-Preisträgerin Susan Sarandon.

Anscheinend mit Erfolg: Am Tag, aber vor allem Abend für Abend füllt sich der große eckige Raum an der East 23rd Street. An den 17 Platten kämpfen Paare und Freunde, Jüngere und Ältere um den besten Aufschlag. Auch professionelle Spieler trainieren auf entspannte Weise oder kämpfen auf kleinen Turnieren.

Der Spin-Club (Spin steht für «Drehen», «Schleudern») wurde 2009 gegründet. Alles fing damit an, dass die vier Besitzer auf privaten Partys begannen, Tischtennisplatten aufzustellen - und die waren heiß begehrt. Also beschlossen die vier Jungs vor einigen Jahren, eine eigene Bar zu eröffnen.

«Ping-Pong war nie richtig sexy hier und wurde wenig beachtet», sagt Bricklin. «Wir haben versucht ihn aufzupäppeln, ihm ein modernes Gewand zu geben.» Das hat geklappt. Mittlerweile gibt es Spin-Zweigstellen in Milwaukee und Toronto. Los Angeles, Boston und Chicago sind derzeit in Vorbereitung. Auch Berlin steht oben auf der Wunschliste. Aber noch gibt es keine konkreten Pläne.

Warum ist gerade Ping-Pong derzeit so populär? Der Sport ist etwas für alle - jeder kann mitmachen, er ist leicht zu lernen und es besteht kaum Verletzungsgefahr. Tischtennis-Liebhaberin Susan Sarandon sagte in einem Interview mal: «Die einzelnen Spiele sind nicht so lang, also werden sie ziemlich schnell, ziemlich emotional - und dann sind sie vorbei.» Außerdem sei der Sport um seinen Verstand zu schärfen viel besser als etwa ein Kreuzworträtsel.

Daneben hat Tischtennis manchmal auch eine ganz andere Funktion: Jonathan Bricklin empfiehlt ihn als besonders guten Tipp für das erste Date. «Da kann man sich ungezwungen kennenlernen, schauen, ob es passt. Das ist besser als Kino.» Viele, die damals im Spin ihr erstes Treffen hatten, habe er danach wieder gemeinsam im Club gesehen, erzählt er. Mission erfüllt.

Website des Spin

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Der Artikel erschien am 14.09.2012, um 12:57
Letzte Änderung am 14.09.2012, um 11:57

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