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Land will Windkraft vorantreiben
Von Julia Giertz und Bettina Grachtrup Stuttgart. Der Appell von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), den Ausbau der Windenergie zu drosseln, ist bei der grün-roten Landesregierung auf Ablehnung gestoßen. "Aus unserer Sicht wäre es wichtiger, den Netzausbau voranzutreiben als den Windausbau zu drosseln", sagte ein Sprecher von Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) am Montag in Stuttgart. Altmaier hatte die Länder aufgefordert, sich beim Bau von Windrädern mehr Zeit zu lassen - auch mit Rücksicht auf den Naturschutz. Bundesumweltminister Altmaier sagte, in den Ausbauplänen der Bundesländer sei etwa 60 Prozent mehr Windenergie vorgesehen als nötig, um die Energiewende zu schaffen. Dagegen betonte der Sprecher von Landesumweltminister Untersteller, es gebe nicht den geringsten Grund, vom grün-roten Ziel abzuweichen, bis zum Jahr 2020 etwa zehn Prozent der baden-württembergischen Stromerzeugung aus Windkraft zu gewinnen. Zum einen habe das Land beim Windausbau gegenüber anderen Bundesländern Nachholbedarf. Zum anderen benötige die Industrie in Süddeutschland eine Menge Strom, die nicht nur über Leitungen aus dem Norden ins Land transportiert werden könne, sondern auch vor Ort in Bayern und Baden-Württemberg erzeugt werden müsse; dazu brauche man Windräder. "Vom Aufbau von Überkapazitäten zu sprechen, kann für Baden-Württemberg wirklich nicht gelten", meinte der Sprecher. Die Regierung will bis zum Jahr 2020 etwa zehn Prozent des Stroms aus Windkraft gewinnen. Dafür müssten in acht Jahren 1200 Windräder gebaut werden. Bisher ist Baden-Württemberg bei der Windkraft Schlusslicht unter den Bundesländern. Scharfe Kritik an Altmaiers Worten kam dagegen vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Nabu-Landeschef Andre Baumann sagte: "Manchmal habe ich die Befürchtung, dass Herr Altmaier die ersten Schritte einleitet, um die Laufzeiten von Atomkraftwerken doch noch zu verlängern." Er sei skeptisch, dass die schwarz-gelbe Bundesregierung die Energiewende wirklich vorantreiben wolle, so Baumann. Der CDU-Landeschef Thomas Strobl widersprach: "Die Vorwürfe des Nabu sind völlig haltlos und geradezu absurd." Der Naturschutzbund sei ein Bremsklotz in der Energiewende. "Egal, ob es um den Ausbau der Stromnetze, Pumpspeicherkraftwerke oder Biogasanlagen geht, er ist stets beim Blockieren vorne dabei." Nach Einschätzung des Karlsruher Energieexperten Peter Fritz wird Baden-Württemberg zunehmend abhängig von Stromimporten. Bereits in der Spanne von 2009 bis 2011 habe sich der Anteil des importierten Stroms am Gesamtverbrauch von 17,5 auf 34 Prozent im Land fast verdoppelt. "Wenn 2022 der letzte der vier Atommeiler abgeschaltet wird, wird die Quote vermutlich bei 43 Prozent liegen", sagte der Vizepräsident für Forschung und Innovation am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Dieser Wert gelte jedoch nur, wenn es der grün-roten Landesregierung gelinge, den Ausbau der regenerativen Energien wie geplant umzusetzen. Das heißt: 8,5 Prozent Wasserkraft, 7,5 Prozent Biomasse, 10 Prozent Wind und 12 Prozent Photovoltaik. "Alles, was nicht fertig wird, macht zusätzlich Importe notwendig", sagte Energieexperte Fritz. HintergrundDie konventionellen Kraftwerke in Baden-Württemberg verfügen laut Bundesnetzagentur über eine Netto-Nennleistung von rund 4700 Megawatt - ohne Atomkraftwerke. Den Löwenanteil liefern mit rund 4000 Megawatt fünf Steinkohlekraftwerke. Das größte von ihnen ist das Großkraftwerk Mannheim. Weitere Standorte sind Altbach (Kreis Esslingen), Heilbronn, Karlsruhe und Walheim (Kreis Ludwigsburg). In den kommenden Jahren werden einige ältere Blöcke vom Netz gehen, dafür werden neue Kapazitäten in Betrieb genommen, z.B. Block 9 in Mannheim. Mit Gas wird im Südwesten weitaus weniger Strom erzeugt. Die neun größten Gaskraftwerke kommen auf eine Kapazität von rund 600 Megawatt. Sie stehen in Grenzach-Wyhlen, in Altbach, Freiburg, Karlsruhe, Reutlingen, Tübingen, Heidelberg, Stuttgart und Heidenheim. Rund 70 Megawatt elektrische Netto-Leistung steuern die vier Müllkraftwerke in Mannheim, Böblingen, Eschbach und Göppingen bei. Die Atomkraftwerke Neckarwestheim II und Philippsburg II, die 2019 und 2022 abgeschaltet werden, kommen zusammen auf etwa 2700 Megawatt.
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