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Alles Müller, oder was?

Markus Babbel. Foto: dpa
Markus Babbel. Foto: dpa

Von Frank Enzenauer

Zuzenhausen. Markus Babbel kann sich jetzt ganz und gar auf sein Kerngeschäft konzentrieren: trainieren. Und die TSG 1899 Hoffenheim aus dem Bundesliga-Keller führen. Gestern, einen Tag nach dem 3:5 beim SC Freiburg, der vierten Niederlage im vierten Pflichtspiel dieser Saison, bestätigte Babbel (40), dass er seinen Managerjob abgeben und Hoffenheim einen neuen Sportdirektor verpflichten werde. "Ich bin Trainer, das macht mir mehr Spaß", sagte Babbel, der bereits nach dem Spiel gegen Mönchengladbach (1:2) Gesellschafter Dietmar Hopp und Vereinspräsident Peter Hofmann um Entlastung gebeten habe. Nun befinden sich Babbel, Hopp, Hofmann und Geschäftsführer Alexander Waldi in Kandidatengesprächen. Zwei Favoriten sind bereits im Meldungsumlauf: Christian Nerlinger (39), bis Juli Sportdirektor beim FC Bayern, und Andreas Müller (49), von Mai 2006 bis März 2009 Manager beim FC Schalke 04.

Über Namen und Anforderungsprofil wollte Babbel am Montag in einer spontan einberufenen Presserunde keine Auskunft geben, doch in diversen Diskussionsforen spielt Andreas Müller eine erhebliche Rolle. Das Pikante an dieser Personalie: Müller sitzt im Vorstand der Spielerberaterfirma GoalSky AG und arbeitete zu Schalker Zeiten eng mit dem aktuell einflussreichsten Hoffenheimer Spielerberater, Roger Wittmann, zusammen, einem Freund von Dietmar Hopp.

Der Mäzen hatte Babbel vor dem Freiburg-Spiel "volles Vertrauen" zugesichert, und weil der angezählte Trainer (vier Siege in 18 Pflichtspielen seit Februar dieses Jahres) Mitglied der Sportdirektoren-Findungskommission ist, gilt sein Arbeitsplatz als ungefährdet - noch. "Aber ich kenne natürlich das Geschäft", bekannte Babbel, der am Sonntag (17.30 Uhr) in der Rhein-Neckar-Arena gegen Hannover 96 die ersten Punkte liefern sollte, schon aus Gründen des Selbstschutzes. "Es macht keinen Spaß zu verlieren. Es macht keinen Spaß, sich hier zu stellen und Fragen zu beantworten", sagte Babbel gestern zu Reportern. Dafür schwieg der Kapitän. Wie schon am Sonntagabend nach dem Pannenkick in Freiburg wählte Torhüter Tim Wiese auch tags darauf den grußlosen Abgang. Fünfzehn Gegentore in vier Partien sowie mehrere eigene Patzer frustrieren den deutschen Euro-Nationaltorhüter und lösen eine unnötige, weil selbstverschuldete Hoffenheimer Torhüterdebatte aus. Plötzlich sehnen sich 1899-Fans wieder nach Tom Starke, dem grundsoliden, aufrechten Keeper der Vorjahre, der unter Protesten weggeschickt wurde, weil Vereinsentscheider unbedingt Wiese wollten.

In der Frühphase dieser Saison erscheint die Hoffenheimer Personalpolitik als Fiasko. Die Abwehr sollte mit der Verpflichtung des erfahrenen Innenverteidigers Matthieu Delpierre (31) stabilisiert werden, dagegen verkaufte man den bewährten, athletischen ghanaischen Nationalspieler Isaac Vorsah (27) an Red Bull Salzburg, holte aber noch kurz vor Transferschluss in Chris und Patrick Ochs zwei Defensivakteure, die zuletzt ihren Stammplatz im Reha-Zentrum oder in der zweiten Mannschaft des VfL Wolfsburg hatten. Obendrein wurde Ex-Kapitän und Rechtsverteidiger Andreas Beck düpiert, indem er nach der Partie in Gladbach ohne Erklärung auf die Tribüne geschickt wurde. Und Mittelfeldspieler Sejad Salihovic war mit seiner Reservistenrolle derart begeistert, dass er vier Minuten nach seiner Einwechslung im Spiel gegen Frankfurt (0:4) wegen eines Wiederholungsfouls vom Schiedsrichter des Feldes verwiesen wurde.

Eine Viertelstunde redete Markus Babbel gestern vor dem Training auf seine Mannschaft wild gestikulierend ein, später hielt er ein längeres Zwiegespräch mit Jan Mayer - dem Teampsychologen.

Einwurf

Von Frank Enzenauer

Der Reporter vom SWR-Fernsehen hatte Mühe, Hoffenheimer Fan-Meinungen zu bekommen. "Bin im Stimmbruch", scherzte ein älterer Herr am Trainingszaun. "Habe nix zu sagen, nix zu sagen", wehrte ein anderer hektisch ab. Irgendwie typisch. Offene Worte findet man dort unerhört, oben in der Entscheider-Etage. Sie ist besetzt mit engen Vertrauten des großen Förderers, und es ist zu erahnen, dass der neue Sportdirektor zur linientreuen Gesellschaft passen soll, somit ein eigenwilliger, unbequemer Charakter keine Chance erhält.

Dass in der Kreativbranche, zu der Fußball gehört, Debatten zielführend sind, haben sie beim FC Bayern erkannt. Bewusst wurde in Matthias Sammer ein störrischer, unangepasster Fachmann engagiert. Diskussionen auf höchstem Niveau sind garantiert, wenn Präsident Hoeneß, Vorstandschef Rummenigge, Trainer Heynckes, sein knorriger "Co" Gerland und eben Sammer um den rechten Weg streiten. Und in Hoffenheim ...?

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