19.10.2006
Die Zukunft des Theaters steht auf dem Spiel
Bürgerkomitee: Die Sanierung muss „Chefsache“ sein
Von Manfred Fritz, 1. Vorsitzender des Bürgerkomitees zur Rettung des Heidelberger Theaters e.V.
Immer mehr Bürger kaufen „Bausteine“, um das marode, hinter den Kulissen verlotterte Heidelberger Theater zu retten. Wer mehr leisten kann, übernimmt die Patenschaft für einen symbolischen Theaterstuhl. Vereine werden aktiv. Künstler lassen sich für den guten Zweck einspannen. Schulklassen initiieren phantasievolle Aktionen. Handel und Gewerbe beteiligen sich voller Enthusiasmus. Darüber hinaus braucht Heidelberg ein Zeichen, dass endlich einmal nicht nur geredet, sondern auch gehandelt wird.
Die Rettung „unseres“ Theaters ist das Heidelberger Thema, das bewegt. Teile der Bürgerschaft und viele Theaterfreunde aus dem Umland haben sich zu einer großen Interessenkoalition zusammengetan. Die RNZ hat das „Bürgerkomitee: Wir retten unser Theater e.V.“ ins Leben gerufen und gibt dieser Bürgerbewegung fast täglich Aufmerksamkeit und Stimme. Schon über 200000 Euro sind in kurzer Zeit auf diese Weise zusammengekommen. Ein fertiges Sponsorenkonzept für Großspender steht. Das „Heidelberger Modell“, der Kampf um ein wettbewerbsfähiges Theater, findet überregionale Beachtung.
Und das soll die Antwort der Stadt auf dieses breite, uneigennützige Engagement sein? Eine minimale Sanierungs-Lösung mit einem Volumen von insgesamt 20 Millionen (inklusive erhoffter Landesmittel und Spendenanteil)? Schon wieder eine Flickschusterei, die erstens nicht lange hält und zweitens am Ende teurer kommt, als eine überfällige, umfassende Grundsanierung, deren Kosten sich laut Gutachten auf 40 Millionen belaufen werden? Mit den 20 Millionen können – nach Meinung der Experten – noch nicht einmal alle bestehenden Mängel beseitigt werden.
Aber so haben wir eigentlich nicht gewettet. Das Bürgerkomitee visiert – im Wissen um das notwendige Sanierungsvolumen – eine Spendensumme von vier Millionen Euro in den nächsten Jahren an. Sprich: Zehn Prozent der notwendigen Kosten. Das ist ein Wort. Es verlangt umgekehrt aber auch ein mutiges Gesamtkonzept der Stadt, das möglichst den Theaterplatz mit einschließen soll.
Vorgestern hat der Bauausschuss in nicht öffentlicher Sitzung zum Thema getagt, gestern der Kulturausschuss. Es steht zu hoffen, dass die Gemeinderäte die einmalige Chance erkennen: Hier geht es um den kulturellen Kern der Stadt – im Wettbewerb mit den anderen Kultureinrichtungen in der Metropolregion Rhein-Neckar. Politische Versäumnisse der letzten Jahrzehnte, die in die Zukunft verschoben wurden, sind in der Gegenwart angekommen und präsentieren die Rechnung: 2008 ist mit dem Heidelberger Theater Schluss, das sagen die Aufsicht führenden Behörden.
Doch Heidelberg hat unter seinem Intendanten Peter Spuhler und Generalmusikdirektor Cornelius Meister eine neue künstlerische Qualitätsstufe erreicht, die der Stadt die passgenaue Ausstrahlung als Ort des Geistes und der Kultur sichert. Theater und Konzerte sind deutlich besser besucht, der Kostendeckungsanteil steigt. Wir sind künstlerisch auf zum Weg zur „Exzellenz“. Mit diesem Team ist auch die angestrebte „vernünftige“ Lösung, die beileibe keine luxuriöse ist, leichter zu stemmen, davon sind wir überzeugt.
Und von den politisch Verantwortlichen, das soll nicht vergessen werden, ist inzwischen auch jene imaginierte „Last“ eines Bundesligastadions genommen. Der Erste Bürgermeister hat keinen Grund, auch in Sachen Theater als erster Bedenkenträger aufzumarschieren. Natürlich muss eine seriöse, andere wichtige Aufgaben der Stadt berücksichtigende Finanzierung gefunden werden. Aber diese lässt sich auf mehrere Jahre verteilen.
Wir erwarten, dass die Frage, ob sich Heidelberg in Zukunft noch Qualitätstheater leisten will – und darum geht es letztlich – vom künftigen Stadtoberhaupt zur Chefsache gemacht wird. Das Bürgerkomitee ist gerne bereit, für das noble Ziel weiter intensiv zu streiten und zu werben. Wir hoffen auf eine Mehrheit im Gemeinderat zugunsten einer vernünftigen Lösung in der Theaterfrage, welche die Rechts-, Gesundheits- und Zukunftssicherheit des Theaters für die nächsten Jahrzehnte garantiert.
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